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Vincek Sykora

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Die Grünholz-Idee

Das Verfahren stammt aus einer Zeit, in der Energie noch nicht wie heute, scheinbar unbegrenzt, zur Verfügung stand. Viele Arbeiten ließen sich früher nur per Hand ausführen und deshalb suchte man oft nach der kraftsparendsten Arbeitsweise. Für die Holzverarbeitung bedeutet dies, dass sie viel leichter von statten geht, so lange das Holz noch frisch, also „grün“ ist.

Möchte man beispielsweise einen Stuhl bauen, kann man zum einen, wie heute üblich, das Holz dafür mit Maschinenkraft (oder viel Schweiß) aus einer getrockneten Bohle heraussägen. Oder aber man entscheidet sich für die  „grüne“ Variante. Dabei wird der frisch gefällte Stamm nicht  gesägt sondern gespalten. Dazu benötigt man weit weniger Kraft.

Nach dem Spalten bearbeitet man die Scheite auf einer Schnitzbank mit Ziehmesser und Schweifhobel zu schmalen Rundhölzern. So entstehen  Stuhlbeine und Sprossen, welche man jetzt, wenn nötig, auch noch biegen kann.


An dieser Stelle ist der überwiegende Teil der Holzbearbeitung abgeschlossen und das Holz kann (und muss) auch bei diesem Verfahren trocknen. Im Gegensatz zu einer kompakten Bohle neigt es jetzt kaum noch zum Reißen.

Anschließend bohrt man die passenden Zapfenlöcher für die dazugehörigen Sprossen und erhält, nachdem man alle Teile zusammen gebaut hat, ein leichtes, aber stabiles Stuhlgestell. Denn anders als beim Sägen, wird beim Spalten die Faser des Holzes nicht zertrennt und somit die Gefahr des Brechens verringert.

Natürlich lassen sich nach diesem Verfahren auch andere Gegenstände, wie zum Beispiel Werkzeuge, Leitern oder Zäune herstellen.


Ganz gleich, wo für man sich entscheidet – das Bearbeiten von Grünholz ist ein faszinierendes Handwerk, welches viele archaische Techniken in sich vereint und dabei überraschend effektiv ist.

Selbst wenn sie bisher noch nie mit Holz gearbeitet haben, werden sie staunen, wie leicht und zufriedenstellend es nach der hier vorgestellten Methode von statten gehen kann.

© Vincek Sykora